Eine Zahl, die man sich kaum vorstellen kann
Die arabischen Chroniken sprechen von 700 öffentlichen Bädern im Córdoba des Kalifats. Siebenhundert. Zur Einordnung: Im 10. Jahrhundert hatte die Stadt rund 250.000 Einwohner, was ein Bad pro 350 Personen bedeutete. Es war eine Hygiene- und Wohlfühl-Infrastruktur, die keine europäische Stadt bis viele Jahrhunderte später erreichen sollte.
Es waren keine Luxusgüter. Es waren Grundleistungen. Jedes Viertel hatte sein Hammam, so wie es seine Moschee und seinen Markt hatte. Das Bad war Teil des täglichen Rhythmus: Man badete mindestens einmal pro Woche, vor dem Freitagsgebet. Die Wohlhabenderen gingen täglich. Es war ein Akt der Hygiene, der Geselligkeit, der Körperpflege und der religiösen Hingabe — alles zugleich.
Wie sie funktionierten
Die Struktur war immer dieselbe: ein Umkleideraum, ein kalter Raum, ein lauwarmer Raum und ein warmer Raum. Das Wasser wurde durch ein System unterirdischer Öfen erhitzt, das auch den Boden beheizte — ein direkt von den römischen Thermen übernommenes Prinzip. Die durchbrochenen Sterne in der Decke ließen Punkte natürlichen Lichts herein, die eine Atmosphäre zwischen dem Funktionalen und dem Heiligen schufen.
Die bescheideneren Bäder waren schlicht und funktional. Die, die den Eliten dienten, hatten Marmor, glasierte Keramik, Zierbrunnen und Ruheräume mit Diwanen. Aber alle — vom einfachsten bis zum luxuriösesten — teilten dieselbe Abfolge von kalt, lauwarm, warm, Dampf. Dasselbe Ritual, dem wir heute folgen.
Was mit ihnen geschah
Die christliche Reconquista war unerbittlich mit den Bädern. Die neuen Herrscher verbanden das Hammam mit der muslimischen Identität. Häufiges Baden war verdächtig. 1567 verbot Philipp II. ausdrücklich die Nutzung arabischer Bäder, den Wechsel sauberer Kleidung freitags und jeden mit der moriskischen Kultur verbundenen Brauch. Von den 700 Bädern des kalifalen Córdoba verschwand die überwältigende Mehrheit — abgerissen, in Lager umgewandelt oder einfach aufgegeben.
Einige überlebten als archäologische Reste. Andere blieben unter späteren Bauten begraben. Und wenige — sehr wenige — gelangten mit ihren Mauern, ihren Bögen und ihrer Bestimmung zum Wasser unversehrt in die Gegenwart.
Die, die überleben
Die kalifalen Bäder des Alcázar von Córdoba sind eine als Museum besuchbare Fundstätte. Die von Santa María, von San Pedro, vom Patio de la Aduana — alle sind archäologische Reste, die jenes Netz von 700 Hammams bezeugen. Man sieht sie, fotografiert sie, erforscht sie. Aber man benutzt sie nicht.
Die Arabischen Bäder von Córdoba in der Calle Almanzor sind etwas anderes. Hier fließt das Wasser weiter. Der Dampf füllt weiter die Räume. Der Stein bleibt warm. Es ist kein Museum dessen, was war: Es ist eine Fortsetzung dessen, was immer war. Unter diesem Boden liegen Reste von Thermen des 1. Jahrhunderts. Im 15. Jahrhundert funktionierten hier die Bäder der Familie Henestrosa. Und heute, im 21. Jahrhundert, nimmst du, wenn du durch unsere Tür trittst und die Füße ins warme Becken tauchst, an einer Tradition teil, die diese Erde seit zweitausend Jahren pflegt.
